

Regula Studer ist Inhaberin der Schwarzbuebe-Apotheke in Breitenbach (SO). Sie hat neben Pharmazie zusätzlich Ernährungswissenschaft studiert.
Was versteht man unter Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie?
Regula Studer: Zöliakie wird durch den Verzehr von
glutenhaltigen Lebensmitteln ausgelöst. Es ist eine
Fehlregulation des Immunsystems, die eine chronische
Entzündung des Dünndarms auslöst. Dabei wird
die Schleimhaut charakteristisch verändert, sodass
gewisse Lebensmittel nicht mehr richtig verdaut
werden können. Genetische Faktoren sind entscheidend,
weshalb Zöliakie häufig familiär auftritt.
Unter welchen Beschwerden leiden Betroffene?
Dies sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall. Es
kann auch zu ständiger Müdigkeit, zu Gewichtsverlust und zu Mangelerscheinungen kommen. Die
Beschwerden werden durch so genanntes Klebereiweiss
(Gluten) ausgelöst, das in verschiedenen
Getreidesorten vorkommt. Für eine eindeutige
Diagnose der Erkrankung ist eine Blutanalyse auf
die entsprechenden Antikörper notwendig. Um
sicher zu gehen, wird zusätzlich eine Gewebeprobe
der Dünndarmschleimhaut untersucht.
Verdauungsbeschwerden kommen auch bei anderen Krankheiten vor, worin liegt der Unterschied zur Zöliakie?
Neben der Zöliakie, die zu einem organischen Defekt
führt, gibt es auch die Nahrungsmittelallergie und
die Nahrungsmittelintoleranz. Dort kommt es nach
dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln zu unangenehmen
Körperreaktionen. Sobald die entsprechende Speise verdaut ist, verschwinden die Beschwerden
wieder. Bauchkrämpfe, Blähungen und
Durchfall können auch durch einen Reizdarm verursacht
werden. Ein organischer Schaden liegt dabei nicht vor, es ist eine Funktionsstörung des
Darms mit unbekannter Ursache; Stress kann eine
Rolle spielen.
Auf welche Weise kann Zöliakie behandelt werden?
Es gibt nur eine einzige Therapie: lebenslanger, strikter Verzicht auf Gluten! Lebensmittel, die die Getreidesorten Weizen, Roggen oder Gerste enthalten, müssen gemieden werden. Glutenfreie Speisen wie Mais, Hirse und Reis sind gute Alternativen.
Was müssen Betroffene im Alltag beachten?
Es ist schwierig, diese Diät einzuhalten. Da glutenhaltige Zutaten in vielen industriell hergestellten
Produkten verwendet werden, sind Betroffene auf
die Unterstützung von erfahrenen Ernährungsberaterinnen
und -beratern angewiesen. Beim Einkaufen
sollte man die Inhaltsangaben auf den Verpackungen
genau lesen. Zöliakie-Patientinnen und -Patienten
müssen besonders auf eine gesunde Ernährung
achten, weil sie durch ihre Darmstörung einen Mangel an wichtigen Vitalstoffen entwickeln können.
Wann spricht man von Laktoseintoleranz?
Wenn ein bestimmtes Enzym (Laktase)
fehlt oder nur ungenügend
gebildet wird, gelangt Milchzucker– der normalerweise im Dünndarm aufgespalten
wird – unverdaut in den
Dickdarm, wo er durch Darmbakterien
abgebaut wird. Durch diesen Abbauprozess entstehen Gase. Diese können Blähungen, Bauchschmerzen und oft auch Durchfall verursachen.
Laktose ist in der Milch aller Säugetiere enthalten
und dient in vielen Tabletten als Hilfsstoff. Die
Symptome
können also auch nach der Einnahme
von Medikamenten oder von Schaf und
Ziegenmilchkäse auftreten.
Wer ist für diese Störung anfällig?
Jedermann kann erkranken. Manche Menschen haben erst im Alter Mühe, Milchzucker zu verdauen, da die Enzymproduktion von Laktase mit der Zeit abnimmt.
Wie wird Laktoseintoleranz behandelt?
Seit geraumer Zeit existiert ein Medikament, das das Enzym enthält, das für die Milchzuckerverdauung zuständig ist. Ansonsten hilft einzig, die auslösenden Faktoren zu vermeiden – also ein Verzicht auf milchzuckerhaltige Speisen und Getränke. Bei allen erwähnten Darmerkrankungen empfehle ich, die genauen Ursachen abklären zu lassen. Nur so haben Betroffene Klarheit über ihre Erkrankung.
Weitere Informationen rund um Zöliakie und Laktoseintoleranz
Tipp aus Ihrer Apotheke: So finden Sie Speziallebensmittel
Interview von Adrian Zeller, erschienen in der April-Ausgabe der Fachzeitschrift "feelgood's news".